70 Jahre Kriegsende – Ein Rückblick

Liebe Leserin, lieber Leser,

auf den Seiten der CDU Schenefeld geht es in der Regel  immer um Zukunft. Die Schreiber der Beiträge nehmen Stellung zu aktuellen Themen der Tagespolitik, kritisieren Entscheidungen politischer Mitbewerber, bzw. machen eigene politische Vorschläge.

Diesen grunddemokratischen Prozess möchte ich heute durchbrechen und Ihren Blick aus-nahmsweise einmal nach hinten richten. Ich verfolge dabei zwei Ziele:

Erstens geht es mir darum,  deutlich zu machen, in welchem Paradies wir heute leben. Zweitens möchte ich dazu auffordern, jeglichen Versuch, unsere Demokratie und ihre freiheitlichen Werte anzugreifen, mit aller Kraft zurückzuweisen!

Möge mein nachfolgender Bericht aus dem Jahr 1945 Sie dazu motivieren.

April 1945, Osterode am Harz, Ortsteil Freiheit. Vor 70 Jahren

Im Jahr 1945 war ich sieben Jahre alt. Ein Alter, in dem man Ereignisse und die dazu passenden Bilder besonders gut behält. Zusammen mit meinen beiden Eltern und meinem älteren Bruder lebte ich, wie wir sagten, auf der Freiheit. Dieser heute eingemeindete Ortsteil besteht eigentlich nur aus zwei langgestreckten Straßen, die damals so gut wie ohne Autoverkehr waren und deshalb uns Kindern gehörten.

Der April `45 war außergewöhnlich warm und trocken, am Himmel über uns brummten ganze Flotten von Bombern nach Osten in Richtung Leuna und Buna und nur ganz selten einmal tauchte ein deutsches Jagdflugzeug auf, um die gewaltige Übermacht der Engländer und Amerikaner am Himmel anzugreifen. Wir Kinder empfanden das Schauspiel dort oben als Abwechslung, waren ja auch noch viel zu “dumm“, um mit den Reden der Erwachsenen etwas anfangen zu können. Da war immer wieder von Endsieg und Wunderwaffen und oft vom Führer die Rede, der alles schon richten würde.  “Wenn das der Führer wüsste“ war auch ein Spruch, den ich gut erinnere.

Mitten im Monat kamen sie!

In der Mittagshitze tauchten sie auf. Ein langer Zug von Männern in gestreiften Anzügen auf Holzschuhen in Dreierreihen. Viele von ihnen mehr wankend als gehend, an den beiden Seiten von schwarz uniformierten Soldaten eskortiert, die mit ihren Gewehr-kolben immer einmal wieder den einen oder anderen Hieb verteilten und durch Zurufe zur Eile aufforderten. An mehreren Stellen der Kolonne wurden mit Menschen, beladene schottsche Karren gezogen. Wie  Kohlensäcke hatte man offensichtlich Zusammengebrochene  aufgeladen, um sie nicht am Straßenrand im Ort liegen zu lassen.

Meine Mutter, die versuchte, den Bewachten Wasser zu geben, erhielt einen kräftigen Gewehrkolbenstoß eines Wachmannes, dann war der Zug vorbei.

Damals nicht, aber heute weiß ich, was dieser Zug bedeutete. Man hatte am Kriegsende versucht, die Konzentrationslager vor den heranrückenden Alliierten zu evakuieren und sie auf Fluchtmärsche zu schicken. Auch in Hamburg Neuengamme formierte sich ein solcher Zug. Sie können die Spuren deutlich sehen, wenn Sie in Richtung Norden einmal nicht die Autobahn, sondern die alte Bundesstraße 4 befahren. Dort wie im Harz erinnern Gedenkstätten an diejenigen, die entkräftet zu Boden sanken. Sie wurden an Ort und Stelle erschossen und verscharrt.

Hans-Detlef Engel                                                                                                                                     CDU-Fraktion

Hans-Detlef Engel

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