Asylbewerberunterkunft im alten Postgebäude?

Um der steigenden Anzahl von Asylbewerbern zu begegnen, schlägt die Verwaltung einen Umbau des ehemaligen Postgebäudes am Rathaus vor. Bis zu 20 Asylanten sollen so untergebracht werden. Doch die auf den ersten Blick einfache und schnelle Lösung ist bei genauerer Betrachtung wenig sinnvoll – weshalb die CDU-Fraktion diese ablehnt und sich weiter für eine dezentrale Unterbringung in kleinen Gruppen ausspricht.

Ursprünglich entschied sich die Politik das Postgebäude anzukaufen, um bei der Umgestaltung des Stadtkern Süds rund um das Rathaus mehr Handlungsspielraum zu haben. So würde z.B. ein Abriss des alten Gebäudes Platz für ein modernes Dienstleistungszentrum bieten, inklusive Bürgerbüro, Sozialberatung und Bücherei.

Da die Neugestaltung des Stadtkerns in den nächsten Jahren bevorsteht, wäre eine teure Umrüstung des Gebäudes für ca. 80.000€ wenig sinnvoll, um Asylbewerber nur für kurze Zeit dort unterzubringen.

Zwar verspricht die Verwaltung, dass sich der finanzielle Aufwand lohnt und auch die Befristung der Belegung möglich ist, um die Stadtplanung nicht dauerhaft zu blockieren. Doch genau dies ist zweifelhaft; oft werden provisorische Maßnahmen zu Dauerlösungen. Selbst wenn ein späterer Umzug der Asylanten möglich sein sollte – warum jetzt Geld für eine Umrüstung ausgeben, nur um in wenigen Jahren erneut eine (kostenintensive) Unterkunft, z.B. Wohncontainer, zu suchen? Die CDU-Fraktion plädiert dafür, lieber jetzt eine dauerhafte Lösung zu finden.

Zudem ist die Maßnahme an sich wenig überzeugend. Selbst nach der Sanierung für 80.000€ bleibt für die 20 Asylbewerber nur eine Sanitäranlage. Dies ist menschlich schlicht ungenügend und birgt Konfliktpotential. Zumal man die gleiche Zahl von Asylbewerbern für eine ähnliche Summe viel besser unterbringen könnte – sei es durch die Anmietung weiterer Wohnungen oder den Kauf von Wohncontainern, welche heutzutage einer festen Wohnunterbringung in nichts nachstehen. So wäre auch die Unterbringung von Familien nicht von Vorneherein ausgeschlossen.

Auch ist fraglich, ob eine Umrüstung des Gebäudes wirklich die schnellste Lösung bietet. Schon jetzt ist das Bauamt so überlastet, dass nicht alle investiven Maßnahmen in diesem Jahr umgesetzt werden können. Eine externe Ausschreibung nimmt ebenso Zeit in Anspruch.

Die CDU-Fraktion fordert daher: Ein Gesamtkonzept zur Unterbringung muss vorgelegt werden. Einfach und schnell ohne Bedenken der Folgen – hier machen es sich Verwaltung und leider absehbare politische Mehrheit zu einfach. Aufgrund der zu erwartenden Zahl an Asylanten wird man auch in Schenefeld auf das Anschaffen von Containern nicht verzichten können. Umso wichtiger ist es, jetzt nach (städtischen) Flächen zu suchen, um diese unterzubringen. Wichtig dabei ist der CDU-Fraktion, dass diese in kleinen Gruppen dezentral untergebracht werden.

Tobias Löffler                                                                                                                                                             CDU-Fraktion Schenefeld

Tobias Löffler
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2 Gedanken zu „Asylbewerberunterkunft im alten Postgebäude?

  1. Tom Penta

    Kann die CDU eigentlich auch etwas anders leisten, als wiederholt bei so ziemlich allem, was in Schenefeld geplant ist, eine Vertagung einer Entscheidung zu fordern?
    Anstatt Umbau wird hier ganz plakativ gefordert, das zu überdenken, neu zu planen, neu zu berechnen, neu abzuwägen, blaaablabla – alles in die Zukunft schieben. Abwarten. Aussitzen.

    Was genau spricht gegen die Unterbringung und den Umbau? Achso, klar, Containerdorf. Jaja, wann? Ich warte auf den Vorschlag der Verwaltung zu einem Standort. Und dann wird die CDU kommen und sagen: “ja also an diiiieeeesem Standort geht das gar nicht. Das sollte man überdenken und nochmal neu planen.”

    Was hier abläuft: Ausreden suchen auf Kosten von Menschen und Lebensqualität. In Hamburg werden gerade Zeltsiedlungen errichtet – aber die CDU Schenefeld kommt ernsthaft mit dem Argument daher, dass eine Unterbringung in einem umgebauten Gebäude deshalb nicht angeraten sei, weil dann nur eine große Sanitäranlage zur Verfügung steht?
    Wirklich? Auch kosten von 80.000EUR sind für die Unterbringung von Flüchtlingen nicht drin?

    Das wäre mir so peinlich, wenn ich denn CDU-Wähler oder gar Mitglied wäre. Hat nicht ihr Herr Becker erst in der letzten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses betont, wofür das große C in der CDU stünde? Für christlich. Ach, ich vergaß, dabei ging es um die Höhe der Wohnungskaltmiete eines Neubaues.

    In Ihrer Argumentation gegen die Nutzung des Postgebäudes steckt absolut kein einziges valides Argument. Da steht nur: “kostet Geld”, “lieber nicht”, “lieber woanders”. Danke, CDU!

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    1. Tobias Löffler Beitragsautor

      Sehr geehrter Herr Penta,

      falls sie die Entwicklung zum Postgebäude im Bauausschuss verfolgt haben, ist Ihnen vielleicht bekannt, dass es die BfB-Fraktion war, die eine erneute Vertagung der Entscheidung beantragte. Die CDU-Fraktion ist in Sachen Post schon seit Längerem beschlussfähig. Da es in Schenefeld gute Sitte ist, Fraktionen die Möglichkeit zu geben, Entscheidungen gründlich zu treffen, wurde dem Antrag der BfB einstimmig zugestimmt. Nun wird nächste Woche abgestimmt.

      Für Sie mögen längere Entscheidungsprozesse nur “Blaaaablala” sein – unser Anspruch ist es aber, Dinge eben nicht spontan und ohne Rücksicht auf Konsequenzen über das Knie zu brechen. Falls dies nicht Ihrem Verständnis von Politik entspricht, so ist dies zu bedauern; politische Alternativen, die Ihren Vorstellungen gerecht werden, finden Sie jedoch bestimmt.

      Zur Sache selbst: “Peinlich” ist lediglich Ihre Verquerung der Tatsachen: Der CDU werfen Sie Politik auf Kosten von Menschen und Lebensqualität vor? Dabei sind wir die einzige Fraktion, die eben genau über den Mangel dieser wichtigen Elemente im Postgebäude (auch nach Umbau!) hinweisen. Das Geld muss so oder so aufgebracht werden: Daher sprechen wir uns dafür aus, lieber gleich in adäquate Unterkünfte zu investieren, als ein Gebäude zu sanieren, dass in 2-3 Jahren ohnehin abgerissen werden soll. Was daran nicht schlüssig ist, bleibt Ihr Geheimnis.

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