Fahrradkonzept als Sicherheitsgewinn oder ideologisches Projekt?

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer sich in Schenefeld für kommunale Angelegenheiten interessiert, wird bemerkt haben, dass eine heftige Diskussion darüber entbrannt ist, ob der in unserer Stadt, die für 80 % des Straßennetzes 30er-Zonen ausweist, eine weitere Einengung des Autoverkehrs dringend nötig ist oder nicht. Mir scheint, dass diejenigen, die dies fordern, weniger die Verkehrssicherheit im Auge haben als ihre ideologischen Prinzipien. Denn nach dem Motto “ Je mehr er hat, je mehr er will“ soll nicht nur neu beschildert, sondern auch kräftig und teuer umgebaut werden!

Die CDU, die sich noch gut an die Kosten für Fahrbahneinengungen und das Anlegen von “Hubbeln“ zum Verlangsamen des Verkehrs zurückerinnert (z.B. Gorch-Fock-Straße 560.000,– DM ),  nimmt einigermaßen fassungslos zur Kenntnis, dass die Protagonisten von damals jetzt die für viel Geld angelegte Fahrbahnmöblierung, die sie selbst durch­gesetzt haben, als für Radfahrer unkomfortabel halten und möglichst schnell wieder abräumen möchten!

Die Situation heute:

In Schenefeld darf auf den Straßen der 30er-Zonen geradelt werden. Auf mehr als der Hälfte der Hauptverkehrsstraßen, u. a.  auf der Blankeneser Chaussee, dürfen Fahrradfahrer die Fahrbahn benutzen, weil dort die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben wurde. Besonders zum Schutz von Alten findet man an vielen Stellen die Erlaubnis, die als Gehwege ausgeschilderten Strecken auch mit dem Fahrrad befahren zu dürfen.

Der Plan für die Zukunft:

Ein Teil des Straßennetzes soll zu Fahrradstraßen umgewidmet und entsprechend neu beschildert und umgebaut werden. Das Ziel dabei ist ein „Paradigmenwechsel“ mit dem Ziel, in den Köpfen der Verkehrsteilnehmer den Gedanken “weg vom Auto, hin zum Fahrrad“ kräftig zu fördern. Betrachtet man die rechtliche Seite jedoch genau, fällt auf, dass sich im Vergleich zum Ist-Zustand wenig ändern würde: Lediglich die Möglichkeit, als Radfahrer nebeneinander zu fahren, geht mit der Fahrradstraße als Änderung einher. Alle anderen Rechte hat der Radfahrer wie o.g. bereits heute in den 30er-Zonen.

Die CDU, die den Radverkehr stärken möchte und immer wieder auf gut ausgebaute Fahrradwege drängt, möchte z.B. mit einem evaluierten Vorversuch in der Lindenallee gerne mithelfen, ist aber in Sachen “gerechte“ Verteilung der Verkehrsbelastung, des Sicherheitsgewinns und der Rechtskonformität bisher nicht auf der Seite der Befürworter des Projektes. Diese wollen einhergehend mit der Einrichtung von Fahrradstraßen diese nur noch für die Kfz von Anliegern freigeben. Was hier als „kleiner Nachteil“ für den Kraftverkehr abgetan wird, würde konkret bedeuten, dass der motorisierte Verkehr in Zukunft nur noch über die Hauptstraßen fließen dürfte, mitsamt entsprechender Belastung der Anwohner und Überlastung der Infrastruktur. Würden z.B. wie gefordert die Lindenallee und der Moorweg in dieser Form eingeschränkt werden, ist leicht vorzustellen, was dies für den Verkehrsfluss bedeuten würde.

Wir halten es auch nicht für richtig, einzelne Verkehrsteilnehmergruppen gesondert zu betrachten. Ein Mobilitätskonzept unter Berücksichtigung aller Verkehrs­teilnehmer einschließlich des ruhenden Verkehrs (Parklatzsituation) wäre wesentlich besser, als im Vorwege zunächst nur über ein Fahrrad­konzept nachzudenken. Veränderungen wiederum sollten vorgenommen werden, nachdem eine Feststellung „was ist gut, was ist verbesserungswürdig?“ getroffen wurde, und nicht vorab, weil etwas vermeintlich gut klingt, bzw. ein Umdenken erzwingen soll.

Hans-Detlef Engel, CDU-Fraktion

Hans-Detlef Engel

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  • Ausschuss für Stadtdentwicklung und Umwelt


Hans-Detlef Engel