Jahrhundertproblem LSE?!

Fraktionsmitglied Hans-Detlef Engel betrachtet die Geschichte und mögliche Zukunft der Landesstraße Lurup-Schenefeld-Elmshorn (LSE). Seit Jahrzehnten teilt sie Schenefeld dort, wo eigentlich ein Stadtkern hätte entstehen können. Gerade auch Bund und Land sieht er in der Pflicht beim Finden von neuen Lösungen.

Gestern

Nur noch wenige Zeitzeugen können heute Auskunft darüber geben, warum unsere Stadt auf brutale Weise von einer schrecklichen Fastautobahn in die Teile Dorf und Siedlung zerschnitten wird.

Die Erinnerung dieser älteren Mitbürger führt zurück in die heißeste Zeit des kalten Krieges und damit zu einer Bedrohung aus dem Osten. Man ging damals davon aus, dass bei Eintritt des Ernstfalles ein Vormarsch der Ostblockstaaten von Ost nach West zu erwarten sei, der dann eine gewaltige Fluchtbewegung aus dem Großraum Hamburg über Lurup nach Schenefeld und weiter nach Elmshorn auslösen würde.

Dem Ziel, dafür eine leistungsfähige Straße, auch mit der Möglichkeit von Flugzeuglandungen herzustellen, hatte das kleine Schenefeld kaum etwas entgegenzusetzen.

Auch konnte in den 60/70er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht vorhergesehen werden, wie gewaltig der Fahrzeugverkehr und mit ihm die Belastungen durch Lärm, Abgase und Unfallopfer steigen würde. Es gab nur einen halbherzigen Versuch der politischen Gremien, den Schnitt durch den Ort durch eine Westumgehung abzuwenden, die man noch heute auf alten Karten finden kann.

Leider gelang es den damaligen Gemeindevertretern (Schenefeld besaß noch keine Stadtrechte) auch nicht, die flächenfressenden Zu- und Abfahrten zu verhindern, die heute kaum sinnvoll erscheinen, weil sie viel Platz verbrauchen, aber nur wenig Leistung bringen.

Heute

Mit anwachsender Menge passieren heute, im Jahr 2014, in 24 Stunden mehr als 20.000 Kraftfahrzeuge den Straßenzug LSE, der amtlich L 103 heißt. Unter die Blechlawine, die vorwiegend aus Personenkraftwagen besteht, mischen sich zwischen 3 bis 7 % Lastwagen, von denen jeder einzelne im Schwerlastbereich etwa das Belastungspotential von 40 PKWs produziert.

An “besonderen Tagen“, d.h., wenn tausende Einpendler auf der Autobahn 23 in Richtung Hamburg auf Staus treffen, schwillt in unserer Stadt die Verkehrsmenge noch einmal deutlich an.

Durch den Ausbau der Autobahnen 23 und 7 (Verbreiterung und Deckelung) in Teilbereichen ist zu erwarten, dass schon in naher Zukunft immer “besondere Tage“ für Schenefeld herrschen werden. In diesem Sinne wird sich die Westumgehung Pinnebergs für unsere Stadt zusätzlich nachteilig auswirken.

Bei all den erschreckenden Schilderungen ist natürlich die Frage zu stellen, was den Verantwortlichen vor Ort zu möglichen realistischen Problemlösungen bisher eingefallen ist. Die Antwort ist schlicht: Nichts. Weder im Zuge der Lärmaktionsplanung noch in den Überlegungen zur Gestaltung des Stadtkerns gibt es in Schenefeld Vorschläge, die auf die Akzeptanz der Verkehrsmengen ausgerichtet sind.

Wer die LSE einengen will oder die Durchflussgeschwindigkeit stark reduzieren will, verkennt, dass eine florierende Wirtschaft leistungsfähige Verkehrswege benötigt. Alle Bundesländer, egal von welcher Mehrheit wie regiert, setzen ohne Ausnahme auf Wirtschaftswachstum. Dieses mit Abnahme von Verkehr zu verbinden, bleibt ein nicht umzusetzender Traum.

Morgen

Meines Erachtens muss Schenefeld bei dem Versuch, das Problem LSE deutlich abzumildern, in mehreren Punkten umdenken und versuchen, diejenigen mit ins Boot zu holen, die der Stadt aus strategischen Gründen diese breite Landesstraße beschert haben.

Bund und Land hielten den Fluchtweg LSE beim Bau für unverzichtbar, also sind Bund und Land verpflichtet, die Stadt bei ihrer “Wiedervereinigung“ im Stadtkern zu unterstützen.
Die zu fordernde Unterstützung sollte sich dabei nicht nur auf den finanziellen Bereich, sondern auch auf Planungsaufgaben richten. Es ist nicht einzusehen, dass sich unsere kleine Planungsabteilung mit Aufgaben der Landesplanung abmüht, während weder aus Kiel noch Berlin Hilfe geleistet wird.

Wenn, wie ich vermute, Schenefeld auf Dauer die zu erwartenden Verkehrsmengen akzeptieren muss, folgt daraus der Schluss und die Forderung eines massiven Umbaus der LSE.
Die Überlegungen dazu sollten keine Tabus kennen.

Was hindert die Stadt Schenefeld daran, eine mehrere hundert Meter lange Tunnelstrecke im Innenstadtbereich und den Rückbau der unsinnigen Zu- und Abfahrtbauwerke mitten in der Stadt zu fordern?

Hans-Detlef Engel
CDU-Fraktion

Hans-Detlef Engel

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