MAHNMAL

Die Reise unserer Schenefelder Delegation zu unserer Partnerstadt Luninez in Weißrussland, führte uns zunächst nach Minsk zum ehemaligen NS Vernichtungslager Malyj Trostenez, die nur Tage zuvor von unserem Bundespräsidenten Steinmeier besucht wurde.

Ein schlanker Mann, so um die sechzig Jahre, wird uns in Minsk als Professor für Historie der hiesigen Universität vorgestellt. Gleich zu Beginn machte er deutlich, dass ein Besuch von weniger als 2 Stunden auf diesem rund 250 Hektar großen Areal, vor dem zweiten Weltkrieg als Kolchose genutzt, nicht geeignet ist, den Umfang des Grauens auch nur ansatzweise zu erfassen.
Anfänglich hat der Professor in Deutsch gesprochen, später während des Rundganges hielt er seine Erläuterungen ausschließlich auf Russisch.
Obwohl ich kein Wort Russisch real verstand, hatte ich doch das Gefühl, seinem Vortrag folgen zu können. Die Art und Weise, die Gestik und Mimik vermittelten mir das Gefühl, dieser Mann zählt objektive Wahrheiten auf. Und das mit Elan.

Tor des Grauens

Mit Elan deshalb, weil er selbst sehr interessiert ist sein Wissen zu vermitteln und weil ich wirklich daran interessiert war zu erfahren, was hier an diesen einzelnen Orten des Schreckens geschehen war.
Unsere mitgereiste Dolmetscherin, vielen Dank an dieser Stelle, hat es sehr schwer gehabt, teils mit Tränen in den Augen, zu übersetzen, auf welche Weise Menschen hier zu Tode gekommen waren.
Hin und wieder hat der Professor die Übersetzung ins Deutsche etwas korrigiert; er verstand es ja ziemlich genau. Auch meine Fragen an ihn, für die er sehr dankbar schien, hatte er nickend aufgenommen, schon bevor sie ins Russische übersetzt worden waren.
Nach etwa einer Stunde hatte mir unsere Dolmetscherin gesagt, „er“ – der Professor – „redet nur für dich“. Das war ungefähr die Zeit, als er rückwärts vor mir ging und wir diskutierten über die Ausstellung von Reemtsma über die Kriegsverbrechen der Deutschen Wehrmacht. Aber auch, dass er sich dafür einsetzt, das an dem Ort, wo unser Bus zunächst parkte, eine Gedenkstätte für zu Tode gekommener Deutscher Soldaten errichtet werden solle.

Menschen, gerade mit dem Zug angekommen, verließen die Waggons und wurden mit LKWs, etwa 20 an der Zahl, zur „Unterkunft“ transportiert. Allerdings waren diese LKWs mit einer Vergasungseinrichtung ausgerüstet und es wurde nur eine Rundfahrt in den Tod veranstaltet. Anschließend wurden die Leiber, tot oder noch etwas lebend, auf Roste geschichtet, mit brennbarem Material dazwischen und von unten entzündet.
Das entladen und stapeln der Körper wurde nicht von SS, SD oder Wehrmacht vorgenommen, sondern von Zwangsarbeitern, Häftlingen. Nach getaner Arbeit konnten sie sich gleich dazulegen, den Leichenstapel erklimmen.
Einigen von ihnen ist die Flucht in die umgebende Landschaft gelungen; sie haben überlebt und überlieferten Augenzeugenberichte.

Er legte seinen Arm um meine Schulter und bedeutet mir damit: „Komm, lass uns weiter gehen zum nächsten Ort“.
Unser Weg führte uns durch nachgestellte Waggons zu den Massengräbern von einhundertfünftausend getöteten und dem Österreichischem Wald mit Namensschildern von hier ermordeter Juden. Direkt dazwischen befindet sich die Deutsche Gedenkstätte, die unser Bundespräsident nach seiner Rede – hier nachzulesen – einweihte.

Jede Stehle ein Massengrab – für insgesamt 105000 Menschen

Zum Abschied bedauerte der Professor, dass wir weiter müssten, denn er hätte noch viel zu berichten gehabt. Meine Anerkennung der Geschehnisse als objektive Wahrheit, als Teil unserer Versöhnung, endete in einem langen und warmherzigen Händedruck. Und leise sprach er zu mir in Deutsch, ich solle wiederkommen.

Bundespräsident Steinmeier nannte in seiner Rede unter anderen Himmler und Heydrich als Täter; nicht aber die rund 500.000 als Kriegsverbrecher verdächtigte Personen, die die Alleierten nach 1945 ermittelten und den Deutschen Behörden zur Verfolgung übergaben. Bis heute sind etwa 900 Kriegsverbrecher, von den 500.000 aufgeführten Personen, angeklagt und verurteilt.
Diese Mörder, ob Auftraggeber oder Ausführende, sind rassistische Nazis, keine Frage. Linke Klassenkämpfer bezeichnen heutzutage Bürger allzu schnell als „rassistischen Nazi“. Schon der Hinweis darauf, das Deutsche nicht mit zu vielen Ausländern zusammen leben wollen, genügt als Beweis dafür, es handele sich um „rassistische Nazis“. Ohne zu hinterfragen oder gar gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Diese Gleichstellung von Demonstranten mit Massenmördern scheint für mich eine Verhöhnung der Millionen NS Opfer.
In der Vorstellungswelt der Linksradikalen genügt es offensichtlich, an einem kostenlosen Punkerkonzert teilzunehmen und Sauflieder wie „Eisgekühlter Boomerlunder“ oder „Zehn kleine Jägermeister“ als Kampf für die Demokratie zu grölen und somit den „rassistischen Nazis“ entgegenzutreten.
Der Kampf für Demokratie ist nur als Kampf gegen extreme Ideologien zu gewinnen; gegen RECHTS und LINKS.

Holger Lilischkis
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