Meine Ansicht: Mutige Flüchtlinge

Auch in Schenefeld ist Flüchtlingsalltag eingekehrt. Viele Einheimische sind im Urlaub. Gerade deshalb begegnet man bewusster Menschen anderer Herkunft im und vor dem Stadtzentrum und schnappt im Vorbeigehen fremdländisch klingende Wortfetzen auf. Die Integration beginnt beim gemeinsamen Konsum in Schenefelds Einkaufstempel.

In Mexiko bilden viele allein gelassene Frauen in örtlichen Gemeinden so eine Art „Community“, denn ihre Männer sind über die Grenze auf in die USA, Arbeit suchen und der Familie Geld schicken. Doch meistens bleibt es bei dem Vorhaben, gesendet wird von den wenigsten Männern; und wenn, dann nur etwas Geld. Die Männer verlassen ihre Familien nicht wegen Krieg oder sonstigen Gefahren in ihrer mexikanischen Heimat, sondern rein aus wirtschaftlichen Gründen; zur Verbesserung ihrer eigenen Situation.

Ähnlich scheint es zu laufen, wenn Männer ihre Familien in den orientalischen Heimatländern oder in Afrika ihrem Schicksal überlassen und nach Deutschland kommen. Staatliche Hilfen hierzulande übertreffen die eigenen Verdienstmöglichkeiten in den Heimatländern vielfach. Sicherlich werden nach Presseberichten Männer und Knaben in den Heimatländern von terroristischen Verbrechern getötet. Dieser mögliche Tot rechtfertigt die Flucht und das Bleiberecht nach unseren Maßstäben. Frauen und Mädchen hingegen werden zunächst gefangen genommen, eingesperrt und regelmäßig vergewaltigt und/oder verkauft.

Die Väter und Großväter meiner Generation hatten ihre Familien verlassen müssen und sind in den Krieg gezogen. Die Generation meines Sohnes zieht wieder in den Krieg. Afrika, Balkan, Orient. Deutsche Soldaten kämpfen gegen islamistische Terroristen; das ist Krieg, wie es einst ein Verteidigungsminister aussprach. Und deutsche Soldaten sterben.

An dieser Stelle jedoch frage ich mich nach meiner eigenen Position. Verlasse ich allein das Gefahrengebiet und überlasse meine Familie einem grausigen Schicksal oder stelle ich mich mit gleichgesinnten in meiner Heimat dem Terror entgegen? Nehme ich den Kampf auf und verteidige meine Familie oder flüchte ich allein? Eine schwierige Frage, die sich mir Gott sei Dank so nicht stellt.

Aus sicherer Quelle ist mir bekannt, dass jeder US-amerikanischer Bodensoldat im Orient rund 1 Million Dollar im Jahr kostet. Dahinter stehen weitere 17 Bedienstete der US-Armee. Eine eintausend Mann starke Truppe verschlingt eine Milliarde Dollar pro Jahr. Ein Pilot im Kampfjet kostet weitaus mehr. Ein US-amerikanischer Soldat, der z.B. in Afghanistan einen LKW fährt, erhält allein 2,5 mal mehr Sold als ein dortiger einheimischer Soldat. Diese schlechtere Bezahlung ist für wehrtaugliche einheimische Männer auch ein Grund dafür, nicht dem heimischen Militär beizutreten.

Ich kann nicht verstehen, aus welchem Grund »mein Sohn« heute im Orient kämpfen soll und die dortigen jungen Männer als Asylsuchende nach Deutschland kommen; allein bis zu 20 in die alte, dann umgebaute Post. »Mein Sohn« schützt als Christ die allein gelassenen Familien, auch moslemischen Glaubens, gegen Feindseligkeiten islamistischer Terroristen und verteidigt damit unsere Freiheit in der Welt. Zu viele junge Männer stehen diesem gerechten Kampf nicht zur Verfügung, lassen sich nicht ausbilden. Stattdessen flüchten sie waghalsig und wagemutig in ein neues Land.

Neue und teils unbekannte Gefahren lauern. Dazu zählt die nordeuropäische Flora und Fauna. So haben viele „Ausländer“ Probleme mit ihren Antikörpern. Die Bakterien und Viren, die Pollen unserer Pflanzen, wirken auf die Zugereisten oftmals unerwartet unangenehm. Regelmäßig klagen meine Arbeitskollegen, z.B. Iraner und Libanesen, Italiener und Franzosen aus dem Süden ihrer Länder, über Depressionen aufgrund der wenigen Sonnenstunden hier im Norden. Das kühle regenreiche Wetter lässt Sehnsucht nach Heimat schnell aufkommen. Der Verdauungstrakt der Zugereisten ist gar nicht auf unsere Nahrung eingestellt. Das kennen wir auch, wenn wir andere Länder bereisen. All diese Strapazen in Kauf nehmen; ich kann keinen besonderen Mut darin erkennen.

Holger Lilischkis

Bürgerliches Mitglied CDU-Fraktion Schenefeld

Holger Lilischkis
Letzte Artikel von Holger Lilischkis (Alle anzeigen)

6 Gedanken zu „Meine Ansicht: Mutige Flüchtlinge

  1. Oliver Muras

    Sehr geehrter Herr Lilischkis,

    sind alle für den Bezug in der Post vorgesehenen Flüchtlinge potentielle “Kriegsdienstverweigerer”? Ich weiß nicht, ob ich Ihren Beitrag mißverstehe. Ihr Gedankengang: Viele Flüchtlinge nehmen Strapazen auf, statt dem eigenen Land zu helfen?

    Ich finde den Gedankengang zwar nachvollziehbar, aber an dieser Stelle unangebracht.
    Man hörte von Kapitänen, die nicht zu letzt von Bord gingen, Mitbürgern, die Steuersparmodelle im Ausland nutzen, Politikern, die ihr Wissen, ihre Kontakte mit ihrem Arbeitgeberwechsel in die Wirtschaft vor einer statthaften Karenzzeit verlagerten.
    Wir sind Lemminge und Egoisten. Im Zweifel denken wir an uns, in der Not wohl erst recht. Das ist nicht schön, aber fakt und wohl Selbsterhaltungstrieb.

    Zielführend sind konstruktive Vorschläge zum Umgang mit den Flüchtlingen. Wir werden sie so schnell nicht aufhalten. Unterkünfte sind wichtig. Die Bevölkerung muss schnell, umfassend und ehrlich über unseren aktuellen Stand aufgeklärt werden, sowie über die anstehende Entwicklung. Vielleicht schaffen sie es Verständnis und sogar Unterstützung aus unserer “Mitte” für die Situation zu generieren. Was ist zu tun, was zu organisieren? Kann die Schenefelder Bevölkerung unterstützen?

    Hauptaufgabe ist nach oder parallel zur Unterbringung/Versorgung die Zukunft der einzelnen Schicksale. Zügige Entscheidungen über Bleiberecht.

    Vielleicht schreiben sie hierzu auf Ihrer Homepage als Ersatz für den für mich ehrlich gesagt polemisch klingenden jetzigen Artikel.

    Beste Grüße
    Oliver Muras
    Schenefeld

    Antworten
    1. Holger Lilischkis Beitragsautor

      Sehr geehrter Herr Muras!
      Vielen Dank dafür, dass Sie meinen Beitrag über „Mutige Flüchtlinge“ gelesen haben und mit mir in Kontakt getreten sind. Es ist nämlich ausgesprochen schwierig über das Thema „Flüchtlinge“ insgesamt objektiv zu diskutieren, ohne sofort als „Pegida Fan“ tituliert zu werden oder gar als rechtsradikaler Ausländerfeind, sobald man auch kritisch manche Entwicklungen beleuchtet.
      Zurzeit bewegen sich 60 Millionen Flüchtlinge. Allein in Indien sind 300 Millionen Menschen unterernährt, hungern jeden Tag. In der Zeit, in der ich diesen Artikel schrieb, sind hunderte hungernde Kinder in Afrika gestorben. Welche von diesen Flüchtlingen sollten in Deutschland aufgenommen werden? Ich vermag das nicht zu beurteilen.
      Im Jahr 2014 hat UN Flüchtlingshilfswerk 10.000 Syrer – ausschließlich Familien – aus Türkischen Flüchtlingslagern ausgewählt, die nach Deutschland ausgeflogen wurden. So vorbereitet wurden jeder Familie sehr zügig eine Wohnung zugeteilt und entsprechende Kurse, damit diese Personen auch im Alltag und am Arbeitsmarkt eine Chance haben.
      Ja, Sie haben Recht. Wir sind allesamt Egoisten. Wir erleichtern unser Gewissen, indem wir alte Klamotten in ein Land senden, in welchem neue Kleidung, die der örtlichen Kultur entspricht, 80 Prozent weniger kosten als unsere Kleidung hier.
      Herr Muras, Sie empfinden meinen Beitrag polemisch. Jedoch stimmen Sie zu, dass unerlaubtes Entfernen von der Truppe eine Straftat in allen Armeen der Welt ist. Und wenn sich eine Truppe im Krieg befindet, um den Staat zu schützen – wie immer er sein mag, es ist der amtierende Staat – es ist eine Straftat. Sie braucht nicht verfolgt zu werden von Deutschland in Deutschland, wie die Flucht von NVA Soldaten von Ost nach West zu Zeiten des kalten Krieges im geteilten Deutschland.
      Ja, Herr Muras, Sie haben es richtig beschrieben. Wir Bevölkerung müssen unbedingt umfassend und ehrlich aufgeklärt werden über die Flüchtlinge. Die Menschen, die aus welchen Gründen von wo auch immer zu uns kommen. Wir möchten die Beweggründe erfahren, die ein Flüchtling hat, in unserer Gesellschaft zu leben. Und wir möchten wissen, wollen die Flüchtlinge für immer bleiben oder wollen sie wieder fort. Welchen Aufwand sollen wir betreiben. Wollen sie Deutsche werden, weil Deutsche in Deutschland so leben wie wir heute hier leben? Sind sie gekommen, weil sie friedfertig sind und Gewalt ablehnen? Weshalb gibt es gewalttätige Ausschreitungen unter den Flüchtlingen unterschiedlicher Herkunft in sicheren, kriegsfreien Ländern wie Deutschland?
      Ich habe nur einen Aspekt beleuchten können von dieser sehr komplexen Welt.
      Polemisch? Ja!
      Danke für dieses anerkennende Kompliment. Ich schwimme nicht mit der seichten Welle sondern trete ein in einen rhetorischen Wettstreit mit Argumenten. Schenefeld hilft bereits! Die Verwaltung. Die Politik und ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger.
      Je, Herr Muras, wir brauchen eine schnelle Entscheidung über Bleiberecht – oder Ablehnung. Am besten schon in einem Ursprungsland. Das UN Flüchtlingshilfswerk könnte maßgeblich beteiligt sein.

      Beste Grüße
      Holger Lilischkis

      Antworten
      1. Oliver Muras

        Es zeichnet Sie aus, dass Sie sich mit meiner Anregung auf Ihre Meinung befasst haben und sich genauer erläutern, dafür besten Dank.

        Richtig, heute wird man schnell weiter “rechts” eingestuft, als es einem lieb ist. Ich finde das auch schade, denn es lenkt ab von der deutschen Notwendigkeit, sich unserer dunklen Abschnitte unserer Geschichte – nicht in Schuldzwängen – zu erinnern und die Lehren anzuwenden, zu bewahren und unseren Nachkommen mit auf den Weg zu geben. Allerdings ist es auch gefährlich zu behaupten, man darf nichts sagen, ohne gleich extrem eingestuft zu werden. Es kommt immer auf den Inhalt und den Sinn einer Äußerung an.

        Zu Ihrem Artikel, besser noch zur zukünftigen Entwicklung der Flüchtlingssituation: Wer sind die (zukünftigen) Bewohner der ehemaligen Post, um an Ihrem konkreten Beispiel zu bleiben? Handelt es sich wirklich um Familienväter, die Ihre Familien “im Stich” gelassen haben?

        Kritisches Hinterfragen von Zuständen ist elementar. Alles einfach nur hinzunehmen widerspricht der Evolution. Ich verstehe aber nicht den Sinn in ihrem Artikel, über Flüchtlinge zu schreiben, die Ihre Angehörigen alleine lassen. Menschen verlassen ihre Angehörigen für wesentlich kleinere Probleme, weshalb gibt es Landflucht in die Städte? Weshalb müssen Städte wie Stendal zurückgebaut werden, weil Menschen in die “alten” Bundesländer übersiedeln. Die Alten werden zurückgelassen oder wollen einfach nicht mit. Oder noch viel früher: Wer ist von unseren Vorfahren alles in die “neue Welt” aufgebrochen und aus welcher Motivation? Hat die Vielzahl der Abwanderungen nicht auch zu verschärften Problemen in der alten Welt geführt? Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege oder der Vergleich zu unpassend ist.

        Welche Wirkung soll Ihr Artikel haben? Ich hoffe nicht, dass wir Schenefelder nun unsere Aufgenommenen schief angucken, weil sie vielleicht feige davongelaufen sind.

        Mir ging es um die Art, wie Sie Zusammenhänge knüpfen. Dies geschieht für mich auch nicht ganz unproblematisch in Ihrer jetzigen Antwort: Gewalttätige Ausschreitungen unter Flüchtlingen in einem friedfertigen Land wie Deutschland. Liegt es wohl auch an den Unterkünften, an der Mischung unterschiedlicher Menschen auf notgedrungen engem Raum? Wir sind ja noch nicht mal in Fußballstadien friedlich.

        Wir wollen wissen, weshalb die Menschen zu uns kommen, weil sie Deutsche werden wollen, die so leben, wie wir Deutschen heute? Sicher nicht ausschließlich. Aber das sind manche andere Menschen, die Jahrzehnte bei uns leben, nicht. Anders kann ich mir existierende Parallelgesellschaften bei uns nicht erklären. Hauptmotivation ist das Streben nach besseren persönlichen Umständen, beginnend bei weniger Lebensgefahr bis zur Chance auf mehr Wohlstand. Die Anpassung der Menschen an unser gewünschtes Verhalten, müssen wir begleiten. Und ehrlichgesagt: Mancher Ausländer kommt mir manchmal wie ein besserer Deutscher vor.
        Ihre Anregung mit dem Flüchtlingswerk klingt gut. In der Tat: Die Probleme in den Ursprungsländern anzupacken, ist sicher erstrebenswert. Da könnten wir vielleicht noch mehr bewirken.

        Sie erklärten, dass die Schenefelder Verwaltung und Politik bereits hilft. Das glaube ich Ihnen gern. Ich drücke Ihnen allen parteiübergreifend die Daumen, dass es so bleibt. Wie gesagt, die Herausforderungen werden wachsen.

        Daher zum Abschluß: Unterstützen Sie die Schenefelder Politik und Verwaltung mit konstruktiven Beiträgen, mit denen Sie an die Öffentlichkeit treten. Werben Sie in Ihrer eigenen Partei über Kreis-, Landes- und Bundespolitik für förderliche Taten. Was können wir gegen die Armut und Gewalt in den betroffenen Herkunftsländern tun? Seien wir ehrlich: Was wollen wir dagegen tun? Leben wir nicht auf Kosten dieser Staaten – direkt oder indirekt? Bis wir das geklärt haben, widmen wir uns den aktuellen Herausforderungen mit dem Flüchtlingsstrom. Alles andere artet sonst in Stammtischparolen aus, die sie lieber ihrer Schwesterpartei in Bayern überlassen.

        Freundliche Grüße
        Oliver Muras

        Antworten
  2. Holger Lilischkis Beitragsautor

    Sehr geehrter Herr Muras!
    Sehr geehrte interessierte Leser!
    Die gesamte Situation um Flüchtlinge in der Welt, in Europa und in Deutschland verschärft sich. Da bin ich froh, dass ich nur einen kleinen Aspekt nachgefragt hatte.
    Mittlerweile sind es geschätzte 100 Millionen Menschen, die von A nach B bis Z unterwegs sind. »Wo wir Euch kriegen, werden wir Euch bestrafen« versichert der Vizekanzler dem »Pack«, den Demonstranten gegen alles, was mit Flüchtlingen zu tun hat. Geplante Flüchtlingsunterkünfte brennen, »bürgerkriegsähnliche Zustände« aufgrund islamistischer Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften mit Lynchjustiz unter Flüchtlingen, verletzte Polizisten, vereitelter Terroranschlag eines einzelnen Islamisten.
    Schenefeld trennt sich vom Flüchtlingsbeauftragten, sucht nach Wohnraum in der Tageszeitung, aus den erwarteten 100 Flüchtlingen für das Jahr 2015 sind bereits 200 geworden; vielleicht ein paar mehr oder weniger. In Deutschland selbst leben 6 Millionen arbeitsfähige Harz IV Bezieher ohne sonderliche Aussicht auf eine lebenstragende Arbeitsstelle, 25 Prozent der Flüchtlinge sollen unberechtigt Leistungen beziehen; beklagt das zuständige Amt. In Schleswig Holstein dauern Bearbeitungszeiten von Asylanträge im Schnitt siebeneinhalb Monate, die längste Zeit im Vergleich zu anderen Bundesländern. Die »Standards« sollen europaweit angepasst werden, Länder und Kommunen bekommen mehr Geld, 2 Milliarden oder auch 3 Milliarden. Von den 4 Millionen geflohenen Syrern sollen zehntausend in die USA reisen bis zum September 2016.
    Eine Meldung aus »Der Spiegel« fand ich unter den vielen bemerkenswert: es müssen nicht nur die Flüchtlinge in Deutschland integriert werden, sondern auch Deutsche, die bislang nicht integriert sind. Für die noch nicht integrierten Deutschen müssten die gleichen Zuwendungen aus der Gesellschaft erfolgen, wie für die zu integrierenden Flüchtlinge. Der Vizekanzler bezeichnet das mit einer »doppelten Integrationsherausforderung«. »Wir sollten nicht nur für Flüchtlinge Wohnungen bauen und ihnen Qualifizierungen anbieten – sondern man müsse das auch für Deutsche tun, die sie ebenfalls brauchen.«
    Mehr möchte ich aus den Meldungen der letzten Tage nicht zusammentragen. Es genügt mir, mich in diesem Fall dem Vizekanzler Gabriel anzuschließen.

    Beste Grüße
    Holger Lilischkis

    Antworten
  3. Frithjof Siegmann

    Sehr geehrter Herr Lilischkis,

    ist ihnen nicht bekannt, daß wir in Deutschland seit einiger Zeit eine Berufsarmee haben ? Wer also heute deutscher Soldat ist, ist dies aus FREIWILLIGEN Stücken. Da wird niemand hin gezwungen. Wenn also ihr Sohn deutscher Soldat ist, dann ja wohl völlig freiwillig. Ich durfte mich vor langer Zeit noch vier Jahre mit deutschen Behörden rumplagen, bevor ich dank schwachsinniger Gewissensprüfung als Verweigerer anerkannt wurde. Dieser Unsinn ist nun zum Glück abgeschafft.
    Und Christliche Menschen sollten wohl erst recht keine Knarre in die Hand nehmen, wenn sie ihren Glauben ernst nehmen.
    Was ist die Aufgabe eines Berufssoldaten ? Im Zweifel zu kämpfen. Dafür wird er bezahlt wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Wenn er dies nicht will, hat er schlicht den falschen Job. Warum geht man eigentlich freiwillig zur Bundeswehr ? Weil man keinen Job hat ? Oder weil man geil darauf ist. Diese Typen soll es auch geben.
    Selbst wenn diese “feigen” Flüchtlinge kämpfen wollten, sie haben ja nicht mal die notwendige militärische Ausrüstung. Sollen die mit Steinen werfen ? Und was ist mit den vielen Frauen und Kindern ? Alles Feiglinge ? Völkerwanderungen hat es schon immer gegeben. Und wissen sie warum ? Weil Menschen von dort, wo es wenig gibt, dorthin wollen, wo es viel gibt. Das ist menschlich. Und das die Menschen, die viel haben, nichts abgeben wollen, ist auch menschlich. Bei all dem Gejammer über den Zuzug so vieler Fremder konnte mir noch keiner die Frage beantworten: Was wollen wir dagegen tun ?
    Einen Zaun um Europa ziehen ? Die Flüchtlinge auf ihren Booten wieder aufs Mittelmeer schubsen ? Erschießen ?
    Fakt ist: Solange sich die Verhältnisse in den Herkunftsländern nicht ändern, wird sich auch an der Flüchtlingssituation wenig ändern. Wir leben zum Teil prächtig auf Kosten dieser Länder. Wenn die reichen Industrienationen nicht dafür sorgen, daß es diesen Menschen dort besser geht, werden wir noch lange mit diesem Thema beschäftigt sein.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Frithjof Siegmann
    BfB-Fraktion

    Antworten
    1. Holger Lilischkis Beitragsautor

      Sehr geehrter Herr Siegmann
      Vielen Dank, das Sie sich die Zeit nehmen, meinen geringen Beitrag vom Juli 2015 zur komplexen Thematik rund um die Flüchtlingsdebatte Ende Oktober 2015 zu kommentieren.
      Selbstverständlich ist mir bekannt, dass eine CDU geführte Regierung im Jahre 2011 die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland und damit die Einberufung zum Grundwehrdienst ausgesetzt hat. Dies bedeutet jedoch nicht, das Deutschland eine Berufsarmee aufgestellt hat. Die allgemeine Wehrpflicht kann jederzeit im Spannungs- oder Verteidigungsfall wieder gelten.
      Herr Siegmann, mir ist ebenfalls bekannt, dass Soldaten auch die Aufgabe haben in Kriegen zu kämpfen. Leider ist es so, denn leider gibt es noch immer Kriege in der Welt. Diese Frage ist aber nicht mein Thema. Vornehmlich haben deutsche Soldaten jedoch die Aufgabe, Kriege zu verhindern. Sie sind Teil der militärischen Doktrin der Abschreckung. Deutsche Soldaten sind Bürger in Uniform, die mit ihrem Einsatz für die Freiheit und Sicherheit unserer Gesellschaft dienen.
      In meinem Artikel beziehe ich mich auf Generationen; die meines Großvaters, meines Vaters, meiner Generation und die meines Sohnes. Dabei habe ich zum Ausdruck gebracht, das Angehörige der Generationen meines Großvaters und meines Vaters in einen Krieg ziehen mussten, und die Angehörigen der Generation meines Sohnes erneut in den Krieg zieht. Nur Angehörige meiner Generation waren davon verschont. Ihnen ist als aufmerksamer Leser des Beitrages nicht entgangen, dass die Redewendung »mein Sohn« stets in Anführungszeichen gesetzt ist. Damit ist ausgedrückt, dass es sich um einen Angehörigen der Generation meines Sohnes handelt.
      Vielmehr bezeichne ich den Weg in ein anderes Land, die Flucht an sich ohne Ehefrau und Kinder, die in dem vermeintlichen Kriegsgebiet verbleiben, als weniger mutig als den nach unseren Maßstäben gerechten Kampf für den Frieden, der regelmäßig nach dem Krieg kommt. Dass wir uns zurzeit in einer Umkehrung der Werte befinden zeigt Ihr Kommentar sehr deutlich. Denn Sie, Herr Siegmann, wollen darunter verstehen, Flüchtlinge seien „feige“.
      Seien Sie, Herr Siegmann, versichert, dass ich mich über jeden Menschen von dieser Welt freue, der gern in meinem Land leben möchte. Es ist eine Auszeichnung für mich in einem Land zu leben, dass Menschen aus vielen Teilen dieser Welt für besonders lebenswert halten; so sehr, dass sie selbst in diesem Land leben möchten. Ich bin in einem multinationalen Konzern beschäftigt und arbeite mit ebenso vielen Deutschen wie Nicht-Deutschen Kollegen unterschiedlicher Kulturkreise bestens zusammen. Daher kann ich sehr wohl beurteilen, wie das Zusammenwirken funktioniert.
      Sie, Herr Siegmann, schreiben »über den Zuzug so vieler Fremder«; für mich sind »Fremde« auch Menschen Deutscher Herkunft, die ich nicht kenne. Sie haben auf Ihre Frage „Was wollen wir dagegen tun ?“ bislang keine Antwort erhalten. Es mag daran liegen, dass Ihre Frage falsch ist. Versuchen Sie es mal mit der Frage »Wie machen wir es richtig?«. Womöglich erhalten Sie mehr als keine Antwort.
      Auch »das die Menschen, die viel haben, nichts abgeben wollen« schreiben Sie und halten das für »menschlich«. Ich empfinde ein solches Verhalten jedoch eher unchristlich und auch nicht zutreffend, auch nicht in Schenefeld.
      Nur weil Menschen nicht applaudierend an Bahnhöfen stehen und nicht täglich ausrufen: „wir schaffen das!“, kann man deren berechtigte Kritik nicht als „Gejammer“ abtun. Nicht nur Asylsuchende haben ein Recht nach unserem Grundgesetz, auch und insbesondere Deutsche haben Rechte nach dem Grundgesetz und entsprechend Pflichten. Wenn Menschen in Deutschland eben nicht wollen, dass ihre Gesellschaft nachhaltig geändert wird, ohne darüber befragt zu werden, so ist es ebenfalls ihr Recht, das auch genauso zu äußern.
      Das wir in Deutschland „Teils prächtig auf Kosten dieser Länder“ leben, ist Ausdruck völliger Unwissenheit, womöglich beruhend auf mangelnde Medienkompetenz. Deshalb drängt die CDU in Schenefeld, und insbesondere ich selbst, darauf, dass in den Schulen Medienkompetenz vermittelt wird. Derartige Behauptungen, wie die Ihre, kritisch zu betrachten und durch eigene Recherche in das rechte Licht zu stellen, ist für den aufgeklärten Bürger in einer Demokratie von eminenter Bedeutung. Schenefelder Schüler würden, entsprechend geschult, dann beispielsweise in der
      »United Nations Commodity Trade Statistics Database«
      für den Export von Deutschland nach Syrien folgende Zahlen finden:
      Period Trade Flow Reporter Partner Code Trade Value NetWeight (kg) Quantity Unit Trade Quantity Flag
      2010 Export Germany Syria TOTAL $870,304,041 N/A 1 N/A 0
      2011 Export Germany Syria TOTAL $770,304,896 N/A 1 N/A 0
      2012 Export Germany Syria TOTAL $279,165,598 N/A 1 N/A 0
      2013 Export Germany Syria TOTAL $100,450,478 N/A 1 N/A 0
      2014 Export Germany Syria TOTAL $91,321,880 N/A 1 N/A 0
      Die tatsächlichen Exporte nach Syrien, wovon wir ja Ihrer Aussage nach „Teils prächtig“ leben, sind verschwindend gering gegenüber den Exporten, von denen wir tatsächlich leben.
      Period Trade Flow Reporter Partner Code Trade Value NetWeight (kg) Quantity Unit Trade Quantity Flag
      2010 Export Germany World TOTAL $1,271,096,328,740 N/A 1 N/A 0
      2011 Export Germany World TOTAL $1,482,202,274,324 N/A 1 N/A 0
      2012 Export Germany World TOTAL $1,416,184,199,213 N/A 1 N/A 0
      2013 Export Germany World TOTAL $1,458,646,977,784 N/A 1 N/A 0
      2014 Export Germany World TOTAL $1,511,136,509,711 N/A 1 N/A 0
      Im Jahr 2014 hat Deutschland Güter im Wert von 91 Millionen 321 Tausend 880 US-Dollar nach Syrien exportiert. In die weite Welt exportierte Deutschland im gleichen Zeitraum insgesamt 1 Billion 511 Milliarden 136 Millionen 509 Tausend 711 US-Dollar.
      Ich vermag nicht zu erkennen, wie Sie Herr Siegmann es behaupten, wovon wir da „prächtig leben“ sollten. Ähnlich ist die tatsächliche Situation bezogen auf Nigeria, Iran, Irak und weitere Krisenländer.
      Mir ist durchaus bewusst, dass es einer gehörigen Portion kognitiver Komplexität Bedarf die Gesamtzusammenhänge zu erfassen. Gerade die Themen, die sich aus internationalen Flüchtlingsbewegungen ergeben, sind sehr schwierig zu verstehen.
      Es ist jedoch nicht erklärbar, weshalb Sie, Herr Siegmann, deutsche Bundeswehrsoldaten gleichsetzen mit Typen, die sonst keinen Job haben und geil darauf sind, mit der Knarre in der Hand bezahlt zu werden. Diese Typen hatten bislang dafür gesorgt, dass Sie solch‘ zynische Kommentare überhaupt und in deutscher Sprache veröffentlichen können; das sollten Sie nicht vergessen.
      Beste Grüße
      Holger Lilischkis

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.