Stadtwerke: Es reicht nicht!

(Zu Leserbrief Nils Wieruch SPD)

Mit Freude habe ich gelesen, das wenigstens die SPD zurück zur Sache kommen will. Noch besser wäre es gewesen, fände man in den Zeilen auch Hinweise, die begründen, warum Schenefeld eigene Stadtwerke zum Kauf von Stromkabel und Gasleitungen braucht. Ich habe bei den Befürwortern gesucht und nichts Vernünftiges gefunden.

Außer die Verbesserung der Stadtfinanzen. Nur um mit einem Kredit Geld zu verdienen? Man erwartet irgendwann mehr Gewinn als man Zinsen zu zahlen hat? Also eine reine Kapitalanlage auf Kredit? Immerhin verdienten alle Stadtwerke im Kreis Pinneberg Geld, sagen die Befürworter. Mein lieber Freund, allerdings sind alle Stadtwerke auch Anbieter von Energie und sonstigen Leistungen, und nicht nur Kabelbesitzer. Denn mit Stromkunden oder Gaskunden kann man Geld verdienen.

Bestimmt haben Sie auch Post von den Stadtwerken Kiel erhalten. Die wollen mich als Kunden; aber das Schenefelder Leitungsnetz wollen sie nicht. Mit mir als Kunden können sie Geld verdienen. Mit dem alten Kabel wohl eher nicht, sonst würden sich alle Stadtwerke um unsere Kabel und Rohre in der Stadt reißen. Und überhaupt: gehört das zu den Aufgaben der Gemeinwohlverwirklichung? Ist denn eine solche privatwirtschaftliche Kreditanlage überhaupt für eine Kommune erlaubt?

Oder geht es den Stadtwerkern tatsächlich um die Daseinsvorsorge. Die Bürgerinnen und Bürger sollen immer mit günstiger Energie beliefert werden. Ist das denn wirklich so wichtig für die Befürworter? Strom und Gas als preiswerte Daseinsvorsorge? Aber die anderen Stadtwerke im Kreis Pinneberg, die ja alle Gewinne machen, sind auch nicht billiger als mein jetziger Lieferant. Wie wollt ihr Befürworter denn Geld verdienen mit geringeren Preisen?

Uns lehrt Corona in der Praxis ganz etwas anderes, was tatsächlich zur Daseinsvorsorge zählt. Hier seien nur Schutzmasken und Schutzkleidung angemerkt. Und für viele Bürger offensichtlich Klopapier. Und ist sauberes Trinkwasser nicht viel lebensnotwendiger als Strom? Ach so, Wasser kommt ja aus dem Hahn. Aber Strom kommt auch aus der Steckdose! Weshalb ist Stromkabel und Gasleitungen zu besitzen so unentbehrlich, aber Trinkwasserleitungen sind uninteressant?

Und was ist mit dem Rettungsdienst. Wäre es nicht besser für alle Schenefelderinnen und Schenefelder, wenn eine Rettungsstelle mit Fahrzeug in Schenefeld stationiert wäre? Oder wenn Schenefeld sich auch finanziell an den Hamburger Rettungsdienst koppelt, damit hier immer sehr zeitnah ein Rettungswagen bei Herzinfarkt oder Schlaganfall vorfährt?

Wir Schenefelderinnen und Schenefelder werden im Schnitt immer älter. Das ist auch gut so, bedarf aber auch einer Einbeziehung dieser Tatsache in die Gemeinwohlverwirklichung. Denn so manche Daseinsvorsorge, Kapitalanlage und das politische Handeln überhaupt sollte näher an dem tatsächlichen Gemeinwohl orientiert sein. Lediglich zu behaupten, das die Aktion Stadtwerke Schenefeld dem Gemeinwohl dient, reicht mir nicht. Ihnen etwa?

Holger Lilischkis
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