Stadtwerke: Konzept nicht mehr zeitgemäß

Betr.: „Stadtwerke weiter auf Brautschau“, Artikel im Schenefelder Tageblatt vom 9. Mai 2020. Ein Leserbrief von Schenefelds Energieheld Willy Kanow.


Die „Stadtwerke Schenefeld GmbH“ plant zusammen mit einem strategischen Partner am Bieterverfahren für die Netzvergabe teilzunehmen. Der Partner soll das volle operative Geschäft vom derzeitigen Netzbetreiber übernehmen.

So wie es aussieht, hat sich bisher kein Partner gefunden. Einige potenzielle Partner haben bereits Nichtinteresse bekundet. Die Geschäftsführerin der „Stadtwerke Schenefeld GmbH“ ist trotzdem weiterhin bemüht, einen Partner zu finden. Die Ideengeber für die Gründung von Stadtwerken schweigen stattdessen.

Vielleicht ist die Gründungsidee mit dem Kauf der Netze als Geschäftsgrundlage für die Stadtwerke nicht mehr zeitgemäß und damit für einen Partner uninteressant. Die Idee wurde immerhin bereits vor mehr als fünf Jahren geboren. Eine lange Zeit im digitalen Zeitalter der Energiewende und des Klimaschutzes.

Auf dem Energiemarkt hat ein radikaler Wandel stattgefunden. Am 29. August 2016 wurde das „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ beschlossen. Es enthält unter anderem Regelungen zur Aufgabentrennung von Messstellenbetrieb und Netzbetrieb. Damit werden Strukturen von zukünftigen Stadtwerken sich von denen der heutigen Stadtwerke ganz wesentlich unterscheiden. Im Mittelpunkt wird die Energieversorgung mit regenerativen Energien und Innovationsdienstleistungen für die drei Geschäftsfelder Wärme, Strom und E-Mobilität stehen. Daran sollten sich die Gründungsväter der Stadtwerke Schenefeld GmbH erinnern lassen.

Ich wünsche mir etwas mehr Stolz auf das Erreichte in der Stadt Schenefeld: Wir sind 2015 Energieeffizienzkommune geworden. Wir haben in der Verwaltung ein Energie- und Klimaschutzmanagement integriert. Wir sind mit Preisen bei der Energieolympiade in Schleswig-Holstein ausgezeichnet worden. So ist die Kita Biene Sonnenstrahl bereits heute frei von Kohlendioxiden. Wir nutzen zu 100 Prozent Ökostrom und haben die Straßenbeleuchtung auf LED umgerüstet. Es beweist, wir können auch ohne „Stadtwerke Schenefeld GmbH“ erfolgreich sein.

Wir haben eine sehr erfolgreiche Wärmeversorgung Schenefeld (WVS) GmbH. Für Schenefeld bietet sich damit die einmalige Chance für die Erweiterung der Wärmeversorgung um weitere Geschäftsfelder und somit als Keimzelle für eine nachhaltige Energieversorgung und einen Innovationsdienstleister in Schenefeld.

Die Wärmeversorgung Schenefeld GmbH müssen wir nicht gründen. Die Stadt Schenefeld ist Mehrheitsgesellschafter (60 Prozent). Gründungskosten bleiben uns erspart.

Willy Kanow, Schenefeld

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