Unwissenheit ist gefährlicher Auslöser von Falschbewertungen

Fraktionsmitglied Hans-Detlef Engel versucht, die in der aktuellen Debatte oft vermischten Begriffe rund um die Themen Zuwanderung, Flucht und Terror zu differenzieren. Auch Schenefeld muss und will sich mit den Problemen in diesem Bereich verstärkt auseinandersetzten. Daher sollten es um die wichtigsten Aspekte Klarheit geben.

Im Zusammenhang mit Pegida, Lediga und anderen Bewegungen fällt mir auf, dass viele Mitbürger bei ihren Argumentationen von Dingen reden, von denen sie oft nur ein Halbwissen besitzen.

Der Vorgang erinnert mich stark an Bilder aus Fußballstadien, in denen manchmal während des Spiels ohne erkennbaren Grund alle Zuschauer die Abläufe auf dem Rasen besser bewerten zu können glauben, als Schieds- und Linienrichter zusammen. Ganz zu schweigen von den Millionen vor den Bildschirmen, aus denen regelmäßig unzählige Fußballlehrer werden, wenn “große“ Spiele im Fernsehen übertragen werden.

Da mir der geschilderte Zustand was Fußball angeht ungefährlich erscheint, dieser aber im Fall von Flucht und Vertreibung  von größter Wichtigkeit ist, bitte ich Sie heute darum, zwei Selbsttest vorzunehmen.

1.Bitte prüfen Sie, ob Sie nachfolgende  Begriffe anderen schlüssig erklären könnten:

Flüchtling, Migrant, Asylbewerber, Asylant, Geduldeter, Illegaler, Ghetto, Parallelgesellschaft, Abschiebung / Abschiebehaft, MUFL, Lampedusaflüchtling, Asylbewerberleistungsgesetz, Residenzpflicht, Kirchenasyl, Muslim. Islamist, IS, Tschador, Gleichberechtigung.

 2. Stellen Sie sich einmal vor, sie wären vor vielen Jahren z.B. aus der Türkei nach Deutschland gekommen und nun fest entschlossen Deutscher zu werden. Dazu müssten Sie einen Antrag stellen und einen Einbürgerungstest bestehen. Würden Sie diesen Test bestehen??? Sie finden die möglichen 300 Fragen über Google im Internet und können sie auch dort bearbeiten.

Wenn Sie so wie ich bei den beiden vorgeschlagenen Versuchen ins Grübeln gekommen sind, ist es meines Erachtens an der Zeit, nachzuarbeiten und sich mit der Thematik genauer auseinanderzusetzen.  Von Dingen zu reden, von denen man nicht richtig im Bilde ist, finde ich problematisch. Menschen zu verurteilen, die aus Kriegsgebieten flüchten, halte ich für verwerflich. Ganz besonders, wenn man selbst keine Not leidet.

(Die Erklärungen zu den unter 1 aufgeführten Begriffen finden Sie im Anhang)

Sie sind natürlich nicht vollständig und nur als Beispiele anzusehen.

Hans-Detlef Engel                                                                                                                                   CDU-Fraktion

Hans-Detlef Engel

ANHANG zu Unwissenheit ist gefährlicher Auslöser von Falschbewertungen:

Flüchtling

Ein Flüchtling ist ein Mensch, der aufgrund schlimmer Ereignisse (Krieg, religiöse Verfolgung, Unterdrückung, Hunger, Kälte) seinen Wohnsitz oder sein Land verlässt. Oft unter Zurücklassung seiner gesamten Habe. Zur Zeit befinden sich etwa 60 Millionen Menschen auf der Erde auf der Flucht.

Migrant

Als Migranten bezeichnet man Personen, die zwar in Deutschland leben, aber von ihrer Herkunft, Sprache oder Religion einen nicht deutschen Hintergrund haben.

Asylbewerber

Sind Personen, die sich nach Flucht oder Vertreibung in Deutschland um eine Anerkennung nach Artikel 16 a unseres Grundgesetzes bewerben. Sie erhalten diese nur unter bestimmten Bedingungen z.B. dem Nachweis, dass ihr Herkunftsland nicht sicher ist.

Asylant

Einem Asylanten ist es gelungen, sein Verfahren zur Anerkennung erfolgreich abzuschließen und damit eine Ausweisung abzuwenden.

Geduldeter

Geduldet, d.h. nicht abgeschoben sind in Deutschland viele Menschen, denen man z.B. nicht nachweisen kann, woher sie eigentlich kommen. (Eine Abschiebung ist immer dann unmöglich, wenn man nicht weiß, wohin sie stattfinden soll).

Illegale

Illegale sind Menschen, die sich einer Einreiseregistrierung in Deutschland entzogen haben und deshalb ständig in der Angst leben, entdeckt zu werden. Auch Personen, die sich ihrer Abschiebung durch Flucht entzogen haben, bezeichnet man als Illegale.

Ghetto

Ein Ghetto entsteht, wenn es nicht gelingt Menschen fremder Herkunft in eine bestehende Gesellschaft zu integrieren so dass sie beginnen, in größerer Zahl zusammen zu wohnen und in “ihrem“ Viertel in gewohnter Kultur, Sprache und Religion weiter zu leben.

Parallelgesellschaft

Eine Parallelgesellschaft entsteht immer dann, wenn Integration komplett scheitert und es nicht gelingt, Recht, Gesetz, Kultur und Lebensform des Aufnahmelandes auf Zugewanderte zu übertragen.

Abschiebung / Abschiebehaft

Unter Abschiebung ersteht man die zwangsweise Rückführung von Menschen in ihre Her-kunftsländer, wenn sie  die Bedingungen des Gastlandes (Straffreiheit, Asylanspruch usw.) nicht erfüllen. Um ein Untertauchen von Personen in die Illegalität zu vermeiden, werden solche Menschen häufig inhaftiert und dann aus der Haft heraus abgeschoben.

MUFL

Die Bezeichnung MUFL ist eine Abkürzung für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge. Es handelt sich um Kinder und Jugendliche, die außerordentlich schwer zu integrieren sind und besonders in Großstädten teilweise unbeaufsichtigt auf der Straße leben. In Hamburg leben etwa 160 MUFL mit hoher Straffälligkeit, die wegen ihres Alters und der damit verbundenen Strafunmündigkeit kaum zu “packen“ sind. Im Hinblick auf MUFL herrscht tiefe Ratlosigkeit.

Lampedusaflüchtlinge

Vor der italienischen Insel Lampedusa hat sich im Oktober 2013 eine Tragödie durch den Untergang eines völlig überladenen Flüchtlingsschiffes aus Nordafrika abgespielt, bei der es 380 Tote und nur wenig Überlebende gab. Einem kleinen Teil der geretteten Menschen ist es gelungen nach Hamburg zu kommen und hier in einer Kirche Aufnahme zu finden.

Bis heute ist nicht für alle von ihnen ein Aufnahmeverfahren abgeschlossen und auch nicht alle haben sich bei Hamburger Behörden gemeldet.

Asylbewerberleistungsgesetz

Dieses Gesetz sorgt dafür, dass für die Menschen, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, ein regelmäßiges Monatseinkommen ausgezahlt wird. Die Summe entspricht dem Hartz IV-Satz.

Residenzpflicht

Unter Residenzpflicht versteht man die Auflage, sich z.B. als Asylbewerber für längere Zeit an einem Ort aufzuhalten. Mit der R. versucht der Staat zu verhindern, dass einmal erfasste Personen im Land verschwinden, sich mehrfach registrieren lassen oder nach einer Rechtsentscheidung nicht mehr aufgefunden werden können.

Kirchenasyl

An mehreren Stellen in Deutschland haben christliche Kirchen Flüchtlinge in ihren Räumen untergebracht, obwohl diese nicht staatlich registriert werden konnten. Mit dem Kirchenasyl wurde in Einzelfällen eine Abschiebung verhindert.

Muslim

Ein Muslim ist ein Angehöriger des Islam. Wörtlich bedeutet das Wort “ Der sich Unterwerfende“. In Deutschland leben zur Zeit etwa 4,3 Millionen Muslime. Das sind etwa 5 % der Bevölkerung.

Islamist

Ein Islamist ist ein Anhänger des  islamischen Fundamentalismus.

IS

Aus großen Teilen Syriens und des Irak ist ein Gebilde entstanden, das sich Islamischer Staat nennt, aber weder ein demokratisches System, eine gewählte Regierung noch eine Rechts-ordnung  nach westlichen Vorstellungen besitzt. Grundlage ist eine Koranauslegung, die von der Mehrheit der Muslime in Deutschland abgelehnt wird.

Tschador

Das Wort kommt aus dem Persischen und bedeutet Zelt. Ein großes, meist dunkles Tuch wird als  Umhang um Kopf und Körper gewunden und lässt nur das Gesicht oder Teile des Gesichts frei. Das Tragen eines Tschadors drückt Geschlossenheit und Glaubensstrenge aus.

Gleichberechtigung

Der Artikel 3 des Deutschen Grundgesetzes garantiert die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Er zielt auf die Gleichstellung von Mann und Frau in allen Bereichen ab.

In neuerer Zeit wird häufig der Ausdruck Gleichstellung der Geschlechter gebraucht. Damit soll auf den gleichberechtigten Anspruch von Mann und Frau und möglichen dritten Geschlechtern ( Transgendern) verwiesen werden.

 

 

 

 

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