Zukunft der LSE

Fraktionsmitglied Hans-Detlef Engel beleuchtet die Vergangenheit und Entstehungsgeschichte der LSE – sowie Möglichkeiten, diese in Zukunft zu verändern. Hierzu gab es zuletzt im Ausschuss für Stadtentwicklung am 09.02.2017 eine Entscheidung: 

Zur Sanierung des Schenefelder Stadtkerns hat es eine geradezu vorbildliche Einbindung der Öffentlichkeit gegeben. Mehrfach fanden im Rathaus Veranstaltungen statt, die zum Ziel hatten, interessierten Einwohnern Gelegenheit zur Mitwirkung in Planung und Schwerpunktsetzung zu geben und jeweilige Sachstände öffentlich zu machen. Ganz in diesem Sinne hat sich am 09.02. 2017 der zuständige Ausschuss dafür entschieden, die anstehende Untersuchung  Verkehrstechnische Untersuchung (VTU) ohne Ausklammerung einer oder mehrerer Möglichkeiten auf den Weg zu bringen. Eine weise Entscheidung.  Geprüft werden soll u.a. auch, ob die LSE abgesenkt (“Troglösung”) werden kann. Dass dabei auch herauskommen kann,  dass beinahe gar nichts geht und die trennende Wirkung der LSE nur leicht abgemildert werden kann, ändert nichts an der Wichtigkeit dieses Untersuchungsauftrages. Denn nur so kann es gelingen, Daten und Fakten für fundierte Entscheidungen zu generieren.

Zur Geschichte

Am 18. August 1962 fasst die Gemeindevertretung Schenefeld den Grundsatzbeschluss, keine Ortsumgehung zu planen, sondern den Verkehr durch die Ortsmitte zu führen.

Zwischen 1963 bis 1966  führt Kai-Uwe von Hassel das Bundesministerium für Verteidigung. In seiner Amtszeit entsteht mitten im kalten Krieg der Plan der Natofluchtroute LSE.

Aus Hamburg heraus soll eine breite Straße zur Flucht nach Westen gebaut werden, die auch Flugzeuglandungen ermöglicht.

02.09.1981:  Der Verkehrsminister des Landes Schleswig-Holstein weiht zusammen mit einem Vertreter des Kreises Pinneberg und Bürgermeister Albert Burs die LSE ein. Burs meldet starke Bedenken gegen die trennende Wirkung der LSE an.

1995 ( Die Straße hat sich als Rennstrecke herausgestellt) wird ein Abschnitt zwischen Schenefelder Platz und Parkgrund mit einer Mittelinsel versehen.

Die Stadt zahlt dafür 490 000,– DM. Eine messbare Verhaltensverbesserung der Fahrzeugführer tritt bis heute nicht ein.

Gegenwart und Zukunft:

Heute passieren täglich bis zu 30000 Fahrzeuge die Stadtmitte. Die LSE trennt  die Ortsteile Dorf und Siedlung. Angesichts der Fertigstellung der Pinneberger Westumgehung (Landesbeteiligung 20 Millionen Euro) ist noch einmal wesentlich mehr Verkehr auf der LSE zu erwarten.

Bis heute hüllt sich die zuständige Landesregierung beim Thema Landesstraßen L 103 und L104 nach dem Motto “ Macht Ihr mal Vorschläge, wir lehnen sie dann ab“, in tiefes Schweigen und lässt damit die Politik in Schenefeld allein.

Meinung:

Ich glaube, dass ohne die Aufhebung der trennenden Wirkung der LSE eine bürgerfreundliche Stadtkernsanierung unmöglich ist. Wenn mitten im kalten Krieg “Fluchtrouten“ geplant und gebaut wurden, dann bleibt die Verantwortung für diese Fehlplanung nach Lageänderung bei denen, die sich damals geirrt haben. Es erschließt sich mir nicht, warum Bad Bramstedt, Husum, Heide, Itzehoe und demnächst Pinneberg inzwischen Ortsumgehungen besitzen, für Schenefeld das Land aber keinen Plan besitzt, der unsere Stadt entlasten könnte.

Ich verstehe auch nicht, warum die Aktivitäten der Stadt Schenefeld in Sachen LSE immer nur auf den Landesbetrieb Verkehr ( mittlere Verwaltungsbehörde) und nicht auf das verantwortliche Ministerium in Kiel gerichtet werden. Nur von dort aus  könnten die immer wieder aufflammenden Bürgeraktivitäten ( Neues Beispiel BI Blankeneser Chaussee / Verkehr aus dem Dorf )  grundsätzlich entschieden werden.

Für mich offene Fragen:

Hat unsere Landesregierung einen Verkehrsentwicklungsplan , der z.B. die EU-Vorgaben in Sachen Lärm- und Klimaschutz / Bürgerentlastung einbezieht?

Wird in Schleswig-Holstein Geld, das der Bund für Infrastrukturprojekte gibt, in Richtungen geleitet, die mit Straßen, Brücken, Schleusen oder Schienen nichts zu tun haben oder durch den Mangel an baureifen Projekten gar nicht erst abgerufen werden?

Warum soll Schenefeld schon beim Durchrechnen verschiedener Modelle der Problemlösung von sich aus selbst Wertungen  vornehmen ohne Kiels  Absichten zu kennen? Was ist mit der überflüssigen autobahnähnlichen Anbindung des Kiebitzweges an die LSE?

Welche Position hat der zuständige Minister der Landesregierung in Kiel zu den Schenefelder Verkehrsproblemen? Minister Reinhard Meyer ist Mitglied des Ortsvereins der SPD Schenefeld und könnte hier vor Ort grundsätzlich Stellung beziehen.

Hans-Detlef Engel

Ein Gedanke zu „Zukunft der LSE

  1. Karl-Heinz Müller

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    sehr geehrter Herr Engel,

    die von Herrn Engel zitierte weise Entscheidung ist nichts anderes als Steuergeldvernichtung. Für eine Tunnel- oder Troglösung, die niemals kommen wird, genehmigen die Ausschussmitglieder einen fünfstelligen Betrag für Planungskosten.
    Nach dem o.a. Leserbrief des Herrn Engel passieren zur Zeit ca. 30.000 Fahrzeuge die LSE in Schenefeld täglich. Wenn dann die Westumgehung in Pinneberg fertig ist, wird sich diese Anzahl noch erheblich steigern. Dann wird die LSE in Verbindung mit der Westumgehung in Pinneberg zur Entlastungsstrecke für die schon heute überlastete A23 von Heide nach Hamburg. In dieses riesige Verkehrsaufkommen wollen die Planer, die Verwaltung der Stadt und die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt die Fußgänger (Behinderte, Rollstuhlfahrer und Frauen mit Kinderwagen) schicken. Das Ganze soll mittels eines überbreiten, beampelten Fußgängerüberweges geschehen, auf dem auch noch, wie bisher, Radfahrer ihren Weg suchen. Was vielleicht einige Leser nicht wissen: Die vorhandene und intakte Luninez-Brücke ist ein Teil des vorhandenen Schulweges zwischen Dorf und Schulzentrum.
    Wieso die angeblich trennende Wirkung der LSE bürgerunfreundlich sein soll, erschließt sich mir nicht. Ich habe noch niemanden gehört, den die LSE wie eine störende Grenze zwischen Dorf und Siedlung vorkommt.
    Es ist richtig, dass die LSE u.a. als Fluchtweg geplant wurde. Das wurden einige Autobahnen in Schleswig-Holstein und Hamburg während des Krieges zwar nicht als Fluchtweg aber als schnelle Verbindung, zum Beispiel die A1. Heute wird die A1 überwiegend genutzt von Urlaubern und Wirtschaftsverkehren. Weil die A1 während des Krieges geplant und gebaut wurde, denkt niemand daran diese Autobahn abzureißen, was der Logik des Herrn Engel entspräche. Die LSE ist keine Fehlplanung und es hat sich auch niemand geirrt.
    Herr Engel, der Landesbetrieb für Verkehr in Itzehoe ist zuständig für die LSE und die anderen Landesstra0en in Schenefeld. Ich empfehle Ihnen, aber nicht am Landesbetrieb vorbei, in Kiel das persönliche Gespräch mit dem Minister und seinen Mitarbeitern zu suchen. Aber Sie müssen dafür schon mal nach Itzehoe und danach nach Kiel fahren.
    Meine Empfehlung an die Ausschussmitglieder sparen sie der Stadt unnötige Kosten für Planungen, die nie verwirklicht werden und ersparen sie weiter unnötige Kosten für den Abriss intakter Brücken.
    Mit freundlichen Grüßen

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